Einleitung

Die Jugendhilfe Tecklenburg versteht sich als Fachanbieter für psychiatrische Krankheitsbilder und den damit verbundenen Fragestellungen und Lösungsansätzen innerhalb der Hilfen zur Erziehung. Zur Vermeidung von teil- oder vollstationärer Erziehungshilfe bietet die Jugendhilfe Tecklenburg in enger Zusammenarbeit mit denen am Hilfeplan beteiligten Personen (Eltern, Kind, Jugendlichen, Jugendamt etc.) sozialpsychiatrische ambulante Erziehungshilfe in Form von Fachleistungsstunden an.

 

Was ist sozialpsychiatrische ambulante Erziehungshilfe?

Sozialpsychiatrische ambulante Erziehungshilfe verbindet die Merkmale der psychiatrischen Beratung der Bezugspersonen und die psychiatrische pädagogische Betreuung des Kindes/Jugendlichen.

Im Regelfall betreuen unsere Fachkräfte Kinder und Jugendliche und deren Eltern auf Anraten eines therapeutischen Dienstes, der das Kind/den Jugendlichen schon therapeutisch betreut und weiteren Bedarf in Form von sozialpsychiatrischer ambulanter Erziehungshilfe feststellt. Eltern und Kinder/Jugendliche haben bereits zu diesem Zeitpunkt in den meisten Fällen eine Diagnostik erfahren und benötigen in der Umsetzung der therapeutischen Empfehlung weitere Hilfen. Hier setzt die Jugendhilfe Tecklenburg mit Ihren Angeboten ein. Im Unterschied zur regulären ambulanten Erziehungshilfe kommt hier der Aspekt eines psychiatrischen Blickwinkels hinzu.

Die Fachkräfte der Jugendhilfe Tecklenburg kennen sich mit den gestellten Diagnosen aus, beraten die Familien im Umgang mit den Problemlagen und aktivieren das Kind oder den Jugendlichen, im positiven Sinne mit seiner Problematik leben zu lernen.

Genau an dieser Schnittstelle zwischen der herkömmlichen Jugendhilfe und der psychiatrischen Notwendigkeit der Jugendhilfe setzt die Jugendhilfe Tecklenburg ein. Als ein Beispiel könnte die zunehmende Problematik von sozialen Phobien genannt werden. Diese betroffenen Kinder und Jugendlichen sind nicht automatisch verhaltensauffällig im Sinne des öffentlichen Umfeldes. Sie verhalten sich sogar oftmals konform in sozialen Bezügen, vermeiden aber mehr und mehr den Kontakt zum sozialen Umfeld durch tiefgreifende Erlebnisse. Die Folge: regelmäßige Schulbesuche finden nicht mehr statt, Kontakte zu Freunden werden vermieden und oft kommt es zu einem  Rückzug in instabile Lebenswelten. Der Leidensweg beginnt … .

Ausgebildete Fachkräfte der Jugendhilfe Tecklenburg setzen hier an und helfen im Regelfall durch den Einsatz von verhaltenstherapeutisch pädagogischen Methoden. Unsere Mitarbeiter stehen im engen Kontakt mit dem zuständigen therapeutischen Dienst und setzen konkrete Empfehlungen im Alltag um.

 

Gesetzliche Grundlagen:

Die sozialpsychiatrische ambulante Erziehungshilfe gehört zur Erziehungsbeistandschaft (§30 KJHG) sowie zur  sozialpädagogischen Familienhilfe (§31 KJHG) und somit zu den Hilfen zur Erziehung (§27 KJHG).

§30 Erziehungsbeistand, Betreuungshelfer

Der Erziehungsbeistand und der Betreuungshelfer sollen das Kind oder den Jugendlichen bei der Bewältigung von Entwicklungsproblemen möglichst unter Einbeziehung des sozialen Umfeldes unterstützen und unter Erhaltung des Lebensbezugs zur Familie seine Verselbständigung fördern.

§31 Sozialpädagogische Erziehungshilfe

Sozialpädagogische Familienhilfe soll durch intensive Betreuung und Begleitung Familien in Ihren Erziehungsaufgaben, bei der Bewältigung von Alltagsproblemen, der Lösung von Konflikten und Krisen sowie im Kontakt mit Ämtern und Institutionen unterstützen und Hilfe zur Selbsthilfe geben. Sie ist in der Regel auf längere Dauer angelegt und erfordert die Mitarbeit der Famile.

§35 Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung

Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung soll Jugendlichen gewährt werden, die einer intensiven Unterstützung zur sozialen Integration und zu einer eigenverantwortlichen Lebensführung bedürfen. Die Hilfe ist in der Regel auf längere Zeit angelegt und soll den individuellen Bedürfnissen des Jugendlichen Rechnung tragen.

 

Leistungsbeschreibung
1. Rahmenbedingungen

Grundlage für die Gewährung der Hilfe ist die Einleitung des Hilfeplanverfahrens gemäß §36 KJHG. Das Hilfeplanverfahren basiert auf der Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit des Hilfesuchenden (§31 KJHG).

Der Hilfeplan wird betrachtet als ein Prozess, indem weniger an den Defiziten, sondern bestenfalls an den Ressourcen der Betroffenen gearbeitet werden soll. Gemeinsam mit allen Beteiligten werden Ziele definiert und überprüfbare Zeiträume vereinbart.

Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt gemäß §30 KJHG in dem Wunsch von Kindern und  Jugendlichen nach Unterstützung im pädagogischen Handeln.

2. Aufgaben

Sozialpsychiatrische ambulante Erziehungshilfe soll Hilfe für das Gesamtsystem der Familie sicherstellen in Form von z. B. Beratung. Der Schwerpunkt liegt aber überwiegend in der Arbeit mit dem jungen Menschen und dessen Problemlagen, die zumeist an einer Krankheitsdiagnostik gekoppelt ist.

Explizierter ausgedrückt bedeutet das:

  • Vorhandene Krankheitsdiagnostiken sollen nicht ignoriert oder gar verschwiegen werden, sondern konkret mit dem jungen Menschen und den an dem Hilfeplan beteiligten Personen besprochen werden.
  • Die Ressourcen des jungen Menschen sollen soweit wie möglich unterstützt und stabilisiert werden.
  • Das soziale Umfeld des jungen Menschen soll soweit begleitet werden, dass örtliche Ressourcen sichtbar genutzt werden z. B. durch den gezielten Einsatz von Beratung von Lehrern oder anderen an der Betreuung beteiligten Personen.
  • Lebenspraktische Aufgaben sollen soweit begleitet werden, dass Kinder und Jugendliche ihren Lebensalltag angemessen, selbstständig und eigenverantwortlich führen können.  Oftmals geht dies einher mit der Beratung und Unterstützung in Erziehungsfragen der Erziehungsberechtigten.
  • Einbeziehung der Grundhilfen nach §30 SGB VIII.
3. Die Umsetzung der Hilfe

Nachdem der Bedarf nach sozialpsychiatrischer ambulanter Erziehungshilfe festgestellt wurde, wird seitens des Jugendamtes  Kontakt mit uns aufgenommen und gemeinsam mit den am Hilfeplan beteiligten Personen einen Termin zum Kennenlernen vereinbart. Schon in diesem ersten Termin soll möglichst der von uns favorisierte Pädagoge für diese Hilfe anwesend sein.

In einem nächsten Schritt raten wir zu einem Hausbesuch durch unseren pädagogischen Dienst, um das Wohnumfeld des jungen Menschen und dessen Erziehungsberechtigten kennen zu lernen und um ggf. Problemlagen besser einordnen zu können.

Als Ziel verfolgen wir während der gesamten sozialpsychiatrischen ambulanten Erziehungshilfe, eine feste Vertrauensbasis zwischen unserer Fachkraft und dem betroffenen jungen Menschen zu schaffen, die es uns ermöglichen soll bestehende Problemlagen besser einzuordnen, um in akuten Krisen jederzeit den möglichst richtigen Rat bzw. die richtige Hilfe einzuleiten, die über den normalen pädagogischen Dienst hinaus geht, z. B. der Rat zur ärztlichen Intervention etc.

Eine effektive Ausgestaltung unserer Arbeit bedeutet für uns in erster Linie die Schaffung einer Vertrauensbasis, um im weiteren Verlauf der Hilfe mit dem jungen Menschen gemeinsam auch evtl. schwierige Phasen besser zu meistern. Gerade in akuten Krisen wie z. B. einem erneuten Krankheitsschub ist es wichtig, Fachpersonal vorzuhalten, die Krisen erkennen, einordnen und ggf. weitere Hilfen veranlassen können und dies als bekannte Vertrauensperson tun und nicht als ein „Fremder von irgendeiner Institution“.

Von daher ist es wichtig, dass unser Fachpersonal ein großes Wissen an den vor Ort möglichen Hilfen vorhält und entsprechende Kontakte pflegt. Ebenso wichtig ist unsere Forderung an unser Fachpersonal, sich regelmäßig fortzubilden.

4. Umfang der Hilfe

Der Umfang der Hilfe wird in wöchentlichen Betreuungszeiten veranschlagt, wobei in der Aufbauphase der Umfang meist etwas höher liegt, dann aber im Verlauf der Hilfe in Abhängigkeit der Fortschritte der Hilfe reduziert werden sollte.

Die Anzahl der wöchentlichen Betreuungszeiten werden in Form von Fachleistungsstunden festgelegt und im Hilfeplan mit allen Beteiligten verbindlich vereinbart. Bei psychischen Erkrankungen ist die Hilfe im Regelfall auf einen längeren Zeitraum festzulegen. Eine Fachleistungsstunde wird mit 60 Minuten angesetzt, wobei hier ein Dokumentationsanteil eingerechnet ist.

Die enge Kooperation mit dem Jugendamt und unseren Fachkräften wird durch regelmäßige Berichterstattung in Form von schriftlichen Ausarbeitungen dokumentiert.

5. Das Ziel

Oberstes Ziel ist die Wiedergewinnung von Handlungsfähigkeit. In vielen Fällen bedeutet dies bei unseren Klienten eine Integration ihrer Erkrankung in den Lebensalltag und ggf. die Genesung von ihrer psychischen Erkrankung.

Unter der Vorrausetzung eines frühzeitigen Einsetzens der Hilfe, kann ggf. eine Verschlechterung des Zustandes verhindert  und der Heilungsprozess beschleunigt werden.

Die Interventionen sind auf den Erhalt und die Wiederherstellung wesentlicher Funktionen der gesamten Familie gerichtet. Psychische Erkrankungen eines jungen Menschen belasten immer ganze Systeme. Umso wichtiger ist es, frühzeitig gezielt mit ausgebildetem Fachpersonal Hilfen einzuleiten.

6. Das Team

Unter der Gesamtleitung der Jugendhilfe Tecklenburg arbeiten ausgebildete sozialpädagogische Fachkräfte zusammen, die durch Berufserfahrung, internen Schulungen und externen Fortbildungen praxisnahe Fähigkeiten und Kompetenzen erworben haben.

Die Einsatzzeiten der Mitarbeiter richten sich nach der Anzahl und dem Stundenumfang der zu betreuenden Person. Sie beinhaltet Vor- und Nachbereitung, Dokumentation, Organisation und ggf. Wegezeiten.

7. Finanzierung

Die Finanzierung basiert auf der Grundlage von Fachleistungsstunden, diese werden mit dem anfragenden Träger vereinbart und können bei uns gerne erfragt werden.

8. Einzugsgebiet

Ambulant tätig sind wir in den Kreisen:

  • Kreis Steinfurt
  • Landkreis Osnabrück
  • Stadt Osnabrück
  • Landkreis Vechta
Kontakt

Jugendhilfe Tecklenburg
Ingo Heming, Leitung der Einrichtung
Thomas Bernholt, pädagogische Leitung
Windmühlenstr. 16
49545 Tecklenburg

Tel. 0 54 82 / 4 01 93 00
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www.jugendhilfe-tecklenburg.de

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Über Jugendhilfe Tecklenburg

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Email: info@jugendhilfe-tecklenburg.de

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